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UV-Strahlen schwächen Immunsystem

Die Sonne lacht und der Mensch blüht auf. Kreislauf und Stoffwechsel kommen in Schwung, die Bildung von Vitamin-D-Vorstufen wird angeregt und die Vitalität gesteigert. Wir fühlen uns wohl ! Oft wird den UV-Strahlen auch eine stärkende Wirkung auf das Immunsystem zugeschrieben. Das ist falsch. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen beweisen: UV-Strahlen schwächen das Immunsystem.

Wird die Haut einmalig bzw. ständig intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt, reicht die Zeit nicht aus, die hauteigenen Schutzfunktionen aufzubauen. Die Reparaturmechanismen werden überstrapaziert und die Immunabwehr geschwächt. Dabei ist die Haut ein Organ, das für die Abwehr körperfremder Substanzen hochspezialisiert ist. Sie können durch eine Reihe von Hautzellen anhand ihrer Oberflächeneigenschaften identifiziert und im Zusammenspiel mit den löslichen Substanzen, wie beispielsweise den zellulären Botenstoffen, neutralisiert werden.

Doch auch dieses raffinierte Kontrollsystem kann durch UV-Strahlung beeinträchtigt werden. Das hat zur Folge, daß Tumore, die durch falsch oder nicht reparierte Zellen entstehen können, nicht entdeckt werden. Dabei weisen sie in hohem Maße Substanzen (Antigene) auf, die eigentlich von den Zellen als "Fremdkörper" erkannt werden.

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, daß insbesondere die UVB-Strahlen des Sonnenlichts oder künstlicher UV-Quellen nicht nur die DNA (Träger der Erbinformation) und Zellen schädigen oder verändern können. Sie tragen auch dazu bei, daß die Immunabwehr vermindert wird und dadurch Hauttumore wachsen können. Dabei kann es sich um eine lokale oder eine systemische Immunabwehrschwäche (Immunsuppression) handeln. Bei den lokalen Effekten werden die durch UV-Strahlung verursachten Hauttumore von UV-bestrahlten Hautarealen weniger stark (oder gar nicht) abgestoßen als dies in nicht bestrahlten Hautarealen der Fall ist. Möglich sind aber auch systemische Effekte, bei denen die UV-Bestrahlung der Haut zu vermehrtem Tumorwachstum in nicht bestrahlten Hautarealen führt. Vermutlich sind das auch die Gründe dafür, daß das maligne Melanom der Haut häufig an Körperregionen auftritt, die keine UV-Strahlen abbekommen.

Die Immunabwehr, so legt eine Vielzahl von Untersuchungen nahe, wird durch UVB-bedingte DNA-Schäden der Zellen ausgelöst. Als weitere Ursache werden durch Strahlen veränderte Moleküle in den Zellen der Hornschicht diskutiert.
Beide dieser möglichen Vorgänge führen jedoch dazu, daß die Stachelzellen der Haut nach der UVB-Bestrahlung zelluläre Botenstoffe produzieren und die für die Immunabwehr zuständigen Zellen der Haut in komplizierten und teilweise noch nicht aufgeklärten Wechselwirkungs-Mechanismen beeinträchtigen.

Neuere Befunde aus unterschiedlichen Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, daß auch UVA-Strahlen für die Schwächung des Immunsystems (Immunsuppression) beim Menschen verantwortlich gemacht werden können.

Das Ausmaß der durch UVB-Strahlen bewirkten Immunsuppression ist individuell sehr verschieden. Trotzdem geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon aus, daß immer mehr Menschen an Hautkrebs erkranken werden. Ihrer Meinung nach wird Hautkrebs zu den hauptsächlichen Gesundheitsproblemen der nächsten Jahrzehnte zählen, weil die Menschen
durch die Ozonverdüngung in der Stratosphäre vermehrt UVB-Strahlung ausgesetzt sind.

Eine mögliche immunstimulierende Wirkung von Sonnen- oder künstlicher UV-Strahlung wird in der Literatur ebenfalls erwähnt. Es handelt sich jedoch um vereinzelte Befunde, bei denen die zugrundeliegenden Mechanismen nicht ausreichend geklärt sind. Oft wird eine psychosomatische Wirkung angeführt, wonach das "Wohlbefinden" in der Sonne oder bei künstlicher UV-Bestrahlung zu einer "Stärkung" des Immunsystems betrage. Dabei ist festzustellen, daß diese Art von "Wohlbefinden" von dem (sichtbaren) "Licht" und der "Wärme" abhängt und nicht von der UV-Komponente. Es sollte deshalb nicht versucht werden, das "Wohlbefinden" durch zusätzliche UV-Bestrahlung zu steigern.

Hamburg, im März 2001

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Sigrid Altdorf, Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V., Cremon 11,  20457 Hamburg, Telefon: 040 20913-134, Fax: 040 20913-160, E-Mail: info@unserehaut.de

Dr. Eva Kalbheim, Deutsche Krebshilfe e. V., Buschstraße 32,  53113 Bonn,
Telefon: 0228 72990-270, Fax: 0228 72990-11, E-Mail: Kalbheim@krebshilfe.de


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